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Samstag, 18. Juli 2015

Brasilien 2005 - Was hab ich da eigentlich gemacht?

Das wird sich der eine oder andere sicher schon eine Weile fragen.
Mein "Arbeitsweg". Durch eine kleine Bananenplantage.

Ich habe in den 6 Monaten die meiste Zeit in einer Kindertagesstätte für "Strassenkinder" in den Favelas gearbeitet. Etwa einen Tag pro Woche durfte ich mit zu sogenannten Frauenbesuche in den Favelas. Größtenteils werden bei den "Besuchen" Schwangere betreut. Davon werde ich aber ein anderes Mal erzählen. Heute soll es um die Kindertagesstätte gehen.

Wie kam ich zu dieser Kindertagesstätte?

Für mich war immer klar, ich will weg, ich will mitarbeiten, helfen, eine Sprache lernen.
Auch war mir klar, dass ich in Richtung Asien möchte. Ich schaute mir einige Organisationen an, informierte mich und begann nach der Ausbildung erst mal zu arbeiten. Denn so ein Einsatz kostet auch immer Geld. Meinem Arbeitgeber sagte ich damals beim Vorstellungsgespräch gleich, dass ich maximal zwei Jahre bleibe. =D Auf diese zwei Jahre nagelte er mich dann aber auch fest.
Die Kinder haben eine Energie! Unglaublich!

In der Zeit lernte ich über den Vater einer Freundin eine christliche Organisation kennen, die in Brasilien Kindertagesstätten unterhält, unter anderem bedürftigen Schwangeren hilft, sich um Zigeuner kümmert und noch vieles mehr tut.
Der Vater der Freundin war damals selbst als Beisitzer im Vorstand. Dadurch bekam man viel mit, es gefiel mir und ich bewarb mich.
Ein Salto? Kein Problem, das kann eigentlich jedes Kind!
Recht bald bekam ich eine Zusage und wurde zur Praktikanntenvorbereitung eingeladen. So war klar, dass diese Freundin und ich gemeinsam 6 Monate in Brasilien verbringen würden.

Wozu die Kindertagesstätte?
Kopfstand? Klar!
In Brasilien ist es üblich, dass die Kinder morgens oder mittags Schule haben. Da die Eltern in der Regel berufstätig sind, verbringen die Kinder den Rest des Tages meist auf der Strasse. Die Favela ist durch eine Überlandstrasse von der Stadt abgetrennt. Die Überlandstrasse kommt von Paraguay und führt direkt nach Sao Paulo und Rio. Die perfekte Route für Schmuggelware und Drogen. Die Kriminalität ist hoch. Wobei ich davon nur wenig mitbekommen hab, bis auf eine Schießerei direkt vor dem Haus, Überfällen auf Arbeitskollegen auf dem Arbeitsweg und diversen Schusslöchern in Fahrrädern.
Und wahre Fussballmeister sind sie sowieso alle!

Das Ziel der Kindertagesstätte ist es, die Kinder von der Strasse zu holen. Täglich gibt es Hausaufgabenbetreuung und Stützunterricht. Mehrmals die Woche Kursangebote wie Gärtnern, Englisch, Stoffe bemalen, kochen, schreinern, Musikunterricht und vieles mehr. Dazwischen ist immer wieder viel Zeit zum spielen, Sport machen und gemütlich zusammen sitzen. 
Lecker Mittagessen. Reis und Bohnen sind die Grundlage.
Da die Kinder in den Favelas ewig hungrig sind, gibt es Frühstück, Mittagessen und Lunch. Wer duschen möchte, kann auch dieses Angebot annehmen. Bei vielen Familien wird soviel Wasser als möglich gespart. Viele spülen auch nur einmal am Tag die Toilette.
Die Eltern bezahlen für die Betreuung ihrer Kinder lediglich einen symbolischen Beitrag. Die Kosten werden durch private Spenden und auch Förderungen der Stadt und dem Land getragen
Hier wird den ganzen Morgen gekocht.

Und was genau hab ich da gemacht?
Ich wurde einer Gruppen der ca. 9-13-jähringen zugeteilt. Die Gruppe geleitet hat Roberta, selbst eine Ehemalige der Kindertagesstätte, in der gleichen Strasse wohnend. Roberta arbeitete von morgens bis abends in der Kindertagesstätte und studierte abends. Ganz typisch für die Brasilianer. Fast alle Kollegen gingen abends zur Schule oder studieren.
Ein Teil meiner Gruppe bei den täglichen Aufgaben.

Im täglichen Stützunterricht ging es oft um Portugiesisch. Gelegentlich um Mathe. In welchen Kursen ich geholfen hab, weiß ich bis auf zwei gar nicht mehr sicher. Einmal Englisch, das war okay, und einmal Stofftücher bemalen. Schrecklich! Zum einen kann ich das nicht und zum anderen traff ich einfach nicht den brasilianischen Geschmack. Die Brasilianer mögen es gern grell, bunt, schnörkelig und fröhlich. Da die Kindertagesstätte eine christliche Einrichtung ist, fand einmal in der Woche der sogenannte Louvor statt. Eine kleine Andacht, umrandet mit vielen, fröhlichen Liedern und Musik.
 Leider kein besonders gutes Bild. Die Tafel in unserem Gruppenraum. An diesem Tag ging es um Gegensätze, wie hell-dunkel, ja-nein, kurz-lang, schwarz-weiß,...


Zum Mittgessen sind alle Kinder da.  Die die morgens Schule haben kommen und nach dem Mittagessen gehen die die mittags Schule haben. Wer mag kann vorher Duschen und Zähne putzen nach dem Mittagessen ist Pflicht.
Beim Mittagessen war ich für die Jungs meiner Gruppe zuständig und versuchte am Tisch für ein wenig Ordnung zu sorgen, was gar nicht so einfach war.
Essen kann es nicht genug geben!
Mittags wiederholt sich ganz grob das Progamm vom Morgen.

In Ferienzeiten sind dann alle Kinder von morgens bis abends da, was immer eine etwas anstrengendere Zeit war. Ganz spannend waren auch die Wochen, als die Lehrer gestreikt haben! Wochenlang alle Kinder von morgens bis abends. Da lief dann kein übliches Programm, sondern speziell vorbereitete Spieleparcours, viel Sport und viel freie Zeit.
Zähne putzen! =)
Und wie war das Ganze?
Wir als Praktikannten waren das halbe Jahr als Unterstützer mit dabei. Anfangs war das super, vor allem, da man portugiesisch nicht von heute auf morgen spricht. Nach einiger Zeit hab ich mich dann aber doch etwas unterfordert gefühlt. Ich brauch einfach was zu tun und bin das auch aus meinem sonstigen Job gewöhnt. Und gerade in der freien Zeit war man einfach viel am aufpassen. 
Andererseits war es auf Grund von nur einem halben Jahr Aufenthalt auch nicht möglich selbst einen Kurs anzubieten.
Viel Abwechslung brachte mir die Möglichkeit im Bereich der Frauenarbeit zu helfen. Dadurch kam ich in viele Häuser in den Favelas und lernte das Leben ein wenig kennen. Davon möchte ich aber ein anderes Mal erzählen.

Was ich in der Kindertagesstätte immer ganz besonders genoss, waren die Tereré-Runden. Die Südamerikaner trinken bekanntlich Mate in Massen. Auch die Kinder bekommen zum Frühstück eine Tasse mit heißem, süßen Matetee. Da es in dieser Region aber recht heiß ist, wird Mate auch gerne eiskalt getrunken. Der grobe Tee wird in einen Becher gefüllt. In den Becher kommt ein Röhrchen mit einem Sieb unten (damit keine Teeteile mit kommen) und aus der Gefriertruhe holt man eine Plastikflasche in der bis zur Hälfte Wasser eingefroren wurde. Mit einem Holzhammer wird das Eis in der Flasche klein geschlagen und mit kaltem Leitungswasser aufgefüllt. 
Man setzt sich mit anderen zusammen und füllt den Becher mit eiskaltem Wasser auf, trinkt ihn komplett leer, füllt ihn auf und gibt ihn weiter. Jeder trinkt seinen Becher komplett leer und gibt ihn zurück. So können die Brasilianer stundenlang zusammensitzen. Jeder der vorbeikommt bekommt einen Becher angeboten. Sehr gemütlich! =) Und lecker!

So weit - so gut. Ich lass nun noch ein paar Bilder sprechen:




Ferienprogram
Ferienprogram
Seifenfussball ;-)
Ferienprogram
Ferienprogam
Die Kinder haben gerne uns unbekannte Wörter übersetzt. Dahinter der von allen geliebte Schreiner der Kindertagesstätte.


Frühstück: Matetee und Brötchen
Frühstück in Vorbereitung.
Mittagessen in Vorbereitung. Reis, Bohnen und Würstcheneintopf.

Montag, 9. März 2015

Brasilien 2005 - Sprache

Na, was wird in Brasilien gesprochen?
Häufig wird davon ausgegangen, dass ich Spanisch spreche. Das ich Spanisch lediglich gut verstehe, verwirrt einige erst mal ziemlich, bis ich erkläre, dass in Brasilien portugiesisch gesprochen wird.
In fast allen anderen Ländern Südamerikas wird aber tatsächlich Spanisch gesprochen.

Den Praktikanten wird bei der Vorbereitung für Brasilien gesagt, dass sie vorher auf jeden Fall portugiesisch lernen müssen. Als Tipp wird einem zum Beispiel ein VHS Kurs empfohlen oder Langenscheidt's praktischer Sprachlehrgang Brasilianisch mit Audio-CD. Da es in meiner direkten Umgebung keinen VHS-Kurs gab, begann ich mit dem Langenscheidt Sprachlehrgang. Ich muss gestehen, dass ich damals einfach mit Hilfe von Kärtchen Vokabeln gelernt habe. In meinen Mittagspausen war ich oft mit meinen Kärtchen im Wald unterwegs und hab gelernt. Die Grammatik, speziell die Zeiten und das konjugieren der Verben, hat mich etwas überfordert. Da ich gar kein Grammatikgenie bin, hätte ich dazu echt jemanden gebraucht, der es mir gut erklärt. 
Wenn ich mir die wenigen Bewertungen bei Amazon durchlese, fand nicht nur ich diesen Sprachlehrgang nicht besonders gut.

Erstaunlicherweise waren mir die zwei Verben für das Wort "sein" sehr schnell klar und auch im Kopf gespeichert. Da gibt es einmal das Wort "ser" für andauernde und bleibende Zustände und einmal das Wort "estar" für momentane, vorübergehende Zustände.
Wenn ich mich recht erinnere, gibt es im spanischen sogar drei Wörter für das Verb "sein".

So flog ich nach Brasilien und war der Meinung, dass ich eigentlich gar nichts konnte.

Intensive Nutzungsspuren
Und wie sehe ich das im Nachhinein?
Alle Vokabeln die ich im Voraus mühsam gelernt hatte, hätte ich vor Ort innerhalb kürzester Zeit im Kopf gehabt.
Klar, die ersten ein bis zwei Wochen war alles was ich hörte ein einziger Brei. Ich konnte keine einzelnen Wörter heraus hören. Währenddessen waren die Kinder in der Kindertagesstätte aber sehr hilfreich. Sie deuteten einfach auf alles mögliche und sagten das Wort dazu. Ich hab es nachgesprochen und die Kinder haben mich korrigiert. Überhaupt war die Verständigung mit Hilfe von Gesten, Händen und Füßen total einfach.
Als das Gehörte dann kein Brei mehr war, war das Wörterbuch im Hosentaschenformat sehr hilfreich. Jedes nicht bekannte Wort war schnell nachgeschlagen und auf einen kleinen Zettel geschrieben. 
Diese gesammelten Wörter übertrug ich jeden Abend in eine Liste, die ich immer wieder durchgeschaut hab, damit Worte die man nicht so oft braucht, nicht gleich wieder in Vergessenheit geraten.


Die regelmäßigen Verben in lila.
Ganz praktisch für mich war, dass zu meinem Anfang, die Kinder in meiner Gruppe (ca. 9-11Jahre) im Stützunterricht portugiesisch hatten. Dazu wurde viel mit Comicheftchen gearbeitet, die die Kindertagesstätte aus Spenden bekommen hatte. Ich verbrachte diese Zeit damit, mir diese Heftchen zu übersetzten, Wörter raus zu schreibe, die ich dann abends wieder in meine Liste übertrug.

Unregelmäßige Verben auch in lila, konjugiert in
Gegenwart und Vergangenheit.
In der Vorbereitungszeit bekam ich die Empfehlung vor Ort Stunden bei einer Lehrerin zu nehmen.
Die Mitpraktikantin und ich wurden vom Leiter der Kindertagesstätte an eine Lehrerin in der Stadt vermittelt. 
Einmal in der Woche hatten wir Unterricht. Zum einen recht schwierig wenn man sich so gar nicht verständigen kann und sie gleich volle Kanne mit Gramatik los legt und nur portugiesisch spricht. Hausaufgaben gab es auch jedes Mal. Meistens ein gar nicht einfacher Text und Fragen dazu. Damals hab ich es echt nicht verstanden und wir hatten das Glück, dass uns ein guter Freund aus der Kindertagesstätte die Hausaufgaben machte. Wenn ich mir jetzt den Text so durchlese, frag ich mich wo damals das Problem lag. Heute wären diese Aufgaben keine große Sache. 
Das beweist aber,  dass wir die Sprache auch ohne diesen Unterricht gelernt haben. Ja, besonders lange haben wir es nicht ausgehalten. Ganz oft haben wir die Sekretärin der Kindertagesstätte darum gebeten, für uns abzusagen und bald haben wir es ganz gelassen.
Die 4 Arten von regel-
mäßigen Verben, enden auf
-ar, -er, -ir, -or

Die größte Hilfe waren für mich einmal der Zivi, der als wir ankamen schon ein halbes Jahr vor Ort war und zum anderen eine deutsche Mitarbeiterin die damals schon einige Jahre in Brasilien war. Durch die Beiden lernte ich wirklich viel. Zum Beispiel gab sie mir eine Liste mit den regelmäßigen und unregelmäßigen Verben und zeigte mir die wichtigsten Zeiten auf die ich mich erst mal konzentrieren sollte. Ich sag nur Verben konjugieren.

Eine kleine Besonderheit der portugiesischen Sprache für uns Deutsche ist die nasale Aussprache, die uns meistens nicht besonders leicht fällt, einem aber schnell zum Verhängnis werden kann. =D

Zum Beispiel:
O pão - Das Brot/Das Brötchen
O pau - Das Holz

oder:
Os pães - Die Brote/Die Brötchen
Os pais - Die Eltern

O país - Das Land

Dazu einige Seiten mit unregelmäßigen Verben
Anfangs war das schon etwas schwierig und wenn ich Brötchen kaufen wollte, erntete ich häufiger mal einen komischen Blick. Bald hatte ich es aber ganz gut drauf, fast zu gut. Denn ich sprach plötzlich auch Wörter nasal aus, die gar nicht nasal ausgesprochen werden und erntete dann auch dafür wieder komische Blicke. =D

Eine andere Besonderheit, die ich allerdings gar nicht schwierig fand, sind die Vokale a,e und o, die sowohl offen, als auch geschlossen ausgesprochen werden können. Im Deutschen werden diese Vokale nur geschlossen gesprochen. 
Auf weitere gramatikalische Besonderheiten möchte ich hier nun aber nicht eingehen. =) 

Lebensmittel waren mir
schon immer wichtig =D
Eine kleine Geschichte fällt mir da grad ein. Als wir noch gar nicht lange in Brasilien waren, standen ein paar Feiertage an. Wir wollten diese Tage nutzen und was anderes sehen. Da wir uns sprachlich noch nicht so sicher fühlten, organisierte uns der Kindertagesstättenleiter eine kleine Tour ins nicht weit entfernte Bonito, am Rande des Pantanal. Dort kamen wir, als wir abends in einer Kneipe saßen, mit einigen Leuten ins Gespärch. Unter anderem drei Brüder aus São Paulo. Da wir keine Brasilianerinnen sind, drehten sich die Gespräche immer erst mal darum, wie lange wir in Brasilien sind, wie uns Brasilien gefällt, was wir machen und warum wir das machen. Als diese drei Brüder hörten, dass wir in einer Kindertagesstätte in einer Favela arbeiten, meinten sie, dass man uns das anhört. Wir hätten voll den Favela-Slang. Ehrlich gesagt, kann ich mir das gut vorstellen, denn genau in den Favelas haben wir Portugiesisch gelernt. Und auf eine Art war ich irgendwie auch stolz darauf. =D

Ich bin echt froh noch eine zusätzliche Sprache zu sprechen! Da ich echt nicht Sprachbegabt bin, hätte ich wahrscheinlich ohne dieses Praktikum nie noch eine Sprache gelernt. Von sehr großem Vorteil empfinde ich, dass portugiesisch eine romanische Sprache ist und ich somit sehr gut spanisch verstehe und mich verständigen kann. Nicht hörend verstehen, aber lesend grob verstehen kann ich das Italienische und ein kleines bisschen französisch. Ich empfinde es immer wieder erstaunlich wie sehr verwandt diese Sprachen sind.
Grad spanisch gut zu verstehen und mich verständigen zu können, war von großem Vorteil, als wir mit dem Rucksack in Argentinien, Peru und Costa Rica unterwegs waren.

Mittwoch, 28. Januar 2015

Brasilien 2005 - "wohnen"

Vor 10 Jahren war ich für 6 Monate in Brasilien und hab ich einer Kindertagesstätte für Strassenkinder aus den Favelas gearbeitet. Leider nur 6 Monate! Ein längeres Visum bekam ich nicht. Aber immerhin wurde das Visum von 3 auf 6 Monate verlängert! =)
Vor einigen Monaten hatte ich die Idee, in regelmäßigen Abständen aus meinem Tagebuch zu berichten. 
Da ich aber berechtigte Zweifel hatte, ob ich vor allem in den Frühlings- und Sommermonaten dazu kommen würde, beschloss ich, nun im Winter die Post's vorzubereiten. Damit hab ich mich selbst ziemlich unter Druck gesetzt und meine Motivation war so gut wie sofort weg! Also beschloss ich, es sein zu lassen.
Als ich diese Woche bei Maria "Erinnerungen an eine längst vergangene Zeit" las, kamen mir einige Erinnerungen an Brasilien in den Sinn. Und so kam die Idee nicht einfach aus meinem Tagebuch zu berichten, sondern im Laufe der nächsten Monate einfach immer mal wieder von einem bestimmten "Thema" zu schreiben. Und heute soll es um das Wohnen gehen. Um mein "Wohnen", nicht das Wohnen der Menschen in den Favelas. Das sah nämlich noch mal anders aus.


Blicke in die Nachbarschaft, im Uhrzeigersinn: Diese zweirädrigen Wagen mit vorgespanntem Pferd sieht man sehr häufig statt Autos. Schräg gegenüber hatten wir eine kleine Schrauberwerkstatt für Autos. Ab und zu mal waren Kühe in der Strasse unterwegs. Wohin auch immer. Seht ihr den Streifen im letzten Bild? Das ist eine "Autobahn" der Blattschneideameisen. Sie ätzen mit der Säure das Gras weg um, mit den zu transportierenden Blattstücken, besser durch zu kommen.

Gewohnt hab ich in Dourados. Die Stadt liegt im Westen Brasiliens, nicht weit von der Grenze nach Paraguay entfernt und ist die zweitgrößte Stadt des Staates Mato grosso do sul.
Als Mitarbeiter der Kindertagesstätte konnte ich in einem Häuschen auf einem Grundstück neben der Kindertagesstätte wohnen. Direkt in den Favelas am Stadtrand. Unser Viertel war die "Vila São Braz" und damals eine 10-15 Jahre alte und sehr gut entwickelte Favela. Die Nachbarviertel waren alle jünger und dementsprechend die Verhältnisse schlimmer. Dazu komm ich aber später nochmal.

Mango und Maracuja von eigenen Bäumen auf dem Grundstück, zwei Mal das Häuschen und ein Blick auf die Veranda.

Ich wohnte in einem der wenigen Holzhäuser der Gegend. Holz ist ein seltener und teurer Baustoff. Früher war die komplette Gegend Urwald, daher auch der Name "Mato Grosso" des Staates, was soviel wie "Großer Wald" bedeutet. Von diesem Wald ist in und um Dourados schon lange nichts mehr übrig und jeder Baum wird geschützt. Daher muss das Häuschen vermutlich schon älter sein. Ein einfaches Holzgerüst und von aussen wurden Holzlatten drauf genagelt. An manchen Stellen mit breiten Ritzen zwischen den Brettern. Gerade in der kälteren Jahreszeit war es nicht so toll, wenn da der Wind durch pfiff.


Mein ständiger Mitbewohner, ein Gecko. Mein Zimmer und ein vergittertes Fenster.

Die Fenster waren alle vergittert, hatten zudem ein Mückennetz. Zum zuschieben gab es entweder milchige Fenster, die wir eigentlich nie nutzten oder Fensterläden aus Metall, die immer zu waren wenn wir nicht daheim waren oder sobald es dunkel wurde. Nichts davon hat eine Dichtung. Da kommt alles durch. Jeder Lichtstrahl, jede Luftbewegung, jeder Duft/Geruch. Sei es nur ein vorbeifahrendes und Staub aufwirbeldes Auto oder das zu riechende Schießpulver einer Schießerei direkt vor dem Häuschen. Ohne Scherz! Schießereien hörten wir häufig! Aber immerhin nur eine direkt vor dem Häuschen.


Ein Blick ins Bad. Oben links sieht man schön den Druchlauferhitzer und die isolierte Stromleitung auf der Wasserleitung.

Es gab kaltes fließendes Wasser, dank einer Grundwasserpumpe auf dem Gelände der Kindertagesstätte. Diese stieg allerdings hin und wieder aus oder wurde sie jeden Abend ausgeschaltet?!? Ich weiß es gar nicht mehr sicher. Unter der Woche bemerkte das die Köchin der Kindertagesstätte, am Wochenende schauten wir lieber immer erst nach der Pumpe bevor einer von uns eingeseift unter der Dusche stand und der Wasserdruck nachließ und dann ziemlich gleich ganz versiegte. Halbwegs warm duschen konnten wir dank eines elektrischen Durchlauferhitzers der ganz gefährlichen Variante! =D Ihn mit nassen Händen oder während das Wasser lief anzufassen, war lebensgefährlich. Hatte man aber mal raus, die Temperatur mit der Geschwindigkeit des Wasserdurchflusses zu steuern, kommt man damit wunderbar klar. Ausser vielleicht in den recht kalten Wochen des brasilianischen Winters. Das hatte sich aber gut aushalten lassen! Denn die kälteste Zeit (maximal 9°C, nachts gegen 1-2°C) dauert vielleicht ein bis zwei Wochen, dann hat es wieder 20°C. Die Innentemperatur in den Häusern entspricht dann natürlich der Außentemperatur. Egal ob aus Holz, Stein oder Blech.


Im Uhrzeigersinn: Das allgegenwärtige Omo-Waschpulver, mein Lieblingsort zum Wäsche waschen, das steinerne Waschbecken mit Waschbrett und die Waschmaschine aus Holz.

Eine andere ganz spannende Sache war das Wäsche waschen. Im Häuschen gab es eine museumsreife Waschmaschine! Sowas hatte ich zuvor noch nie gesehen! Im Prinzip einfach ein Holzfass auf Beinen. Innen sind Flügel aus Plastik die sich hin und her drehen und so die Wäsche waschen. Es gibt einen Schlauch um das Wasser abzulassen, den man gut hoch hängen muss, solange das Wasser drin bleiben soll. Will man das Wasser ablassen, lässt man es einfach durch das ganze Bad laufen, zum Abfluss der Dusche und hat damit auch grad den Boden noch geputzt. Dann gibt es noch einen zweiten Schlauch den man am Hahn des Waschbeckens festschrauben kann um Wasser in die Waschmaschine zu bekommen. Das Waschpulver wird einfach ins Fass gekippt und dann lässt man das halt mal so lange laufen wie man meint. Wasser raus lassen, frisches Wasser rein um zu spülen. Das wiederholt man am besten nochmal, denn irgendwie hatte ich immer das Gefühl, das Waschpulver gar nicht mehr raus zu bekommen. Diese Prozedur braucht gut Zeit.
Da mir das zu kompliziert war, ging ich sehr schnell dazu über meine Klamotten von Hand zu waschen. Vor der Arbeit morgens hab ich alle Klamotten in einem Eimer in kaltem Wasser mit Waschmittel eingeweicht. Draußen auf der Veranda gab es ein Waschbecken mit Waschbrett. Da hab ich in meiner Mittagspause dann die Klamotten geschrubbt. Ausspülen, von Hand auswringen und aufhängen. Bis abends nach der Arbeit waren die Klamotten dann schon trocken. Ausser in den 2 kalten Wochen. Da waren die Kleider selbst nach einer Woche noch nicht trocken und rochen entsprechend muffig.
Da die Erde in der Gegend knallrot und gut färbend ist, war es ganz praktisch, dass ich nur dunkle Kleider dabei hatte. Die waren recht einfach "sauber" zu bekommen.
Die Füße jeden Abend sauber zu bekommen, war mit der Zeit fast unmöglich. Ich hatte extra eine Bürste in der Dusche liegen und schrubbte jeden Abend, aber ein roter Schimmer blieb immer, der mit der Zeit auch das Leintuch im Bett färbte. Das bekam ich dann wirklich kaum noch sauber beim waschen.


Leider etwas unscharf: Mit dem Schieber wird das Wasser zur Tür raus geschoben. Hier hat es sich schon gut rot gefärbt.

Apropos rote Erde: Da es oft wochenlang nicht regnet, ist alles sehr trocken und staubig. Die Straßen ungeteert. Es reicht ein leichter Wind um die rote Erde ins Haus zu bringen. Schlimmer sind allerdings die vorbeifahrenden Auto's und der Linienbus. Es war eigentlich immer alles von einer roten Staubschicht überzogen. Da das Haus ein Holzgerüst ist mit von aussen aufgenagelten Latten, hat man im Haus viel Fläche auf der sich der Staub niederlassen kann. Das putzen dauert also eine ganze Weile. Viel Spaß hat eigentlich immer das Boden putzen gemacht. Es wird einfach eimerweiße Seifenwasser im ganzen Haus verteilt. Dann nimmt man einen Besen und schrubbt den Boden. Dann wird alles mit so Schiebern zur Haustür raus geschoben und anschließend mit klarem Wasser die Seife rausgespült und wieder mit den Schiebern alles zur Haustür raus. Der Rest trocknet schnell, allerdings hat man dann vorerst eine Sauna im Haus! =D Sehr umweltfreundlich ist diese Methode allerdings nicht.





Nur ein Bild der Küche selbst. Die anderen 3 Bilder sind von Geschäften in der Stadt, die auf Küchenzubehör spezialisiert sind.


Zur Küche gibt's eigentlich nicht viel zu sagen. Einrichtung war vorhanden. Vor uns hatte über Jahre eine Brasilianerin zusammen mit immer wieder wechselnden Praktikantinnen in dem Häuschen gelebt. Sie hatte ein paar Monate bevor wir kamen geheiratet und war ausgezogen. Daher war alles recht leer. Wir richteten uns mit dem Nötigsten ein, was tatsächlich nicht viel war. Spannend war der Herd, der an der Hauswand zur Veranda stand. Betrieben wurde er mit Gas, das aus einer angeketteten Flasche kam, die auf der Veranda stand. Angekettet damit sie keiner stehlen kann. Von draußen führte ein Schlauch durch die Wand zum Herd. Wenn die Gasflasche leer war, rief man einfach einen Lieferanten an. Der kam dann gleich mit dem Motorrad und tauschte die leere in eine volle Flasche um. An einem Samstag hatten wir erst einen Kuchen gebacken und dann die Wohnung geputzt. Irgendwann fiel mir der Gasgeruch auf. Auch die Mitbewohnerin konnte es riechen. Das Gas konnte ja nur irgendwie von der Flasche, dem Schlauch oder dem Herd kommen. Wir bemerkten dann ein Loch im Schlauch. Das hatte ich wahrscheinlich beim putzen verursacht. Der Herd war vom Backen noch heiß und ich hatte ihn leicht verschoben. Der Schlauch kam an die Rückseite und schmorte durch. Schnell die Flasche zugedreht, fragten wir eine deutsche Nachbarin nach dem portugiesischen Wort für "Gasschlauch" und fragten im nächsten Laden danach. Die hatten auch direkt einen und das Wechseln ging ganz leicht.
Wir gewöhnten uns auch recht schnell daran, vor dem Benutzen des Backofens nachzuschauen, ob nicht ein Gecko darin lebt. Ziemlich am Anfang hatten wir das Erlebnis auf einem Kuchen nach dem Backen einen toten und festklebende Gecko zu finden. 

Tiere als Mitbewohner hatten wir natürlich auch einige. Wie schon erwähnt Geckos! Sehr süß und sehr nützlich! In meinem Zimmer waren immer mehrere, aber nur einer davon die kompletten 6 Monate. Nützlich weil sie fleissig die Mücken und Spinnen fressen, die trotz den Fliegengitters vorm Fenster rein kommen. Naja, kein Wunder wenn Ritzen in der Wand sind. =D
Eine Zeit lang waren, auch durch eine Ritze in der Wand der Küche, Ameisen unterwegs. Eine richtige Straße. Wohin die unterwegs waren, weiß ich gar nicht mehr.
Da das Häuschen einige Monate bevor wir kamen unbewohnt war, hatten sich in der feuchten Waschmaschine Kakerlaken eingenistet. Die Größten die ich je gesehen hab und fliegen konnten sie auch noch. Es hat zwei bis drei Wochen gedauert bis wir sie los hatten. Eine hätte mich in stockdunkler Nacht mal fast umgeflogen. Uahhh....

Strom hatten wir eigentlich fast immer. Nur in der Anfangszeit fiel er ab und zu am frühen Abend mal aus. Man muss dazu sagen, dass es in der Gegend schon früh und vor allem sehr schnell dunkel wird. Man muss sich das so vorstellen: Jedes Haus hat einen oder mehrere Wachhunde. Irgendeinen davon hört man immer. Wenn dann aber der Strom ausfällt ist wirklich alles stockdunkel. So was von dunkel und alle Hunde fangen an zu bellen und heulen. Eine ganz komische Stimmung. Wir kauften uns vorsorglich Kerzen, was die Brasilianer komisch fanden, da Kerzen irgendwie in Verbindung mit Macumba gebracht werden. Eine afro-brasilianische Religion. Darüber werd ich wahrscheinlich auch mal noch schreiben, denn solch eine Gruppe hatten wir in der Nachbarschaft.

Ich könnt noch lange weiterschreiben. Über die wilden Tiere in der Umgebung und im Garten. Über die Obstbäume. Über die Nachbarschaft. Aber das würde jetzt zu lang werden. Dafür kommen in den nächsten Monaten immer wieder kürzere oder längere Berichte. =)

Ich frag mich ganz ehrlich eh, ob jemand bis hier hin durch gehalten hat?!? =D

Montag, 30. Dezember 2013

Lembranças do Brasil: Suco de limão

Wir heizen momentan das untere Stockwerk so erfolgreich, dass wir es durchgehend wirklich schön warm haben. Teilweise sogar T-Shirt-warm! Das will was heißen! Das mag teilweise allerdings auch an den momentanen Aussentemperaturen liegen. ;-)

Pure ausgepresste Limette
Die Gelüste auf kühle Getränke steigen auf jeden Fall.
Bei unserem momentan recht großen Limetten-Vorrat, musste ich sofort an den Limttensaft denken, den wir in Brasilien fast täglich getrunken haben. Direkt neben unserer kleinen Wohnung auf einer Wiese standen mehrere Limettenbäume, über und über voll mit Früchten, an denen wir uns bedienen durften. Mindestens ein mal täglich taten wir das auch. Hauptsächlich für Saft, gelegentlich auch für Caipi oder für Churrasco-Marinade.
Wer es absolut original brasilianisch möchte, nimmt mindestens 8EL Zucker. Für den deutschen Gaumen reichen allerdings auch 4EL. Der Saft ist dann nicht mehr zu sauer und noch nicht zu süß. Herrlich lecker, erfrischend und süffig.

Suco de limão - Limettensaft

Für 1l
3 Limetten
4EL Zucker
Eiswürfel
Wasser

Die Limetten auspressen und den Saft in eine Kanne geben. Die 4EL Zucker zugeben, verrühren bis er sich aufgelöst hat. Eine gute Hand voll Eiswürfel zugeben und mit kaltem Wasser die Kanne auffüllen. Geniessen!

Dienstag, 29. Januar 2013

Bolo de Brigadeiro


Bei den vielen Geburtstagen momentan kommt man mal wieder ein bisschen zum Kuchen backen.
Nachdem ich im Herbst mal wieder brasilianischen Schokokuchen gebacken hatte, wollte ich auch endlich mal wieder Bolo de Brigadeiro machen. 
Eigentlich gibt es zwischen den beiden Kuchen keinen all zu großen Unterschied. 
Allerdings ist dieses Rezept etwas weniger süß. Der Guss ist fast gleich, wird aber durch Erwärmen angedickt und anschließend mit Schokostreuseln bestreut wir die Süßigkeit Brigadeiro die ich hier und hier schonmal gezeigt hatte. Daher kommt auch der Name des Kuchens.
Am zweiten Tag schmeckt er übrigens fast noch besser, wenn man es schafft was über lassen ;)
Als Tasse nutze ich übrigens immer einen Kaffeebecher mit ca. 300-350ml randvoll.

Bolo de Brigadeiro



3 Eier

1 Tasse Milch
1 Tasse Öl
2 Tassen Mehl
1 Tasse Trinkschokoladenpulver
1 Tasse Zucker
2 TL Backpulver
1 Dose gesüßte Kondensmilch von Milchmädchen
3 EL Margarine
5 EL Trinkschokoladenpulver
Milchschokoladenstreusel

Die Eier schaumig rühren, dann nach und nach die Milch und das Öl zugeben.
Danach Zucker, Trinkschokoladenpulver, Mehl und Backpulver unterrühren.
In eine gefette Form gießen und im vorgeheizten Backofen bei 180°C Umluft ca. 45 Minuten backen. 
Gut auskühlen und mit dem Ring der Form auf eine Platte setzen.
Die Kondensmilch mit Margarine und Trinkschokoladenpulver in einen Topf geben und auf dem Herd langsam erhitzen. Nicht richtig kochen lassen, sonst karamelisiert der Zucker im Milchmädchen und es gibt Klumpen.
Eine ganze Weile aber leicht warm auf dem Herd lassen und immer wieder rühren. Wenn die Masse fester wird und man beim rühren den Boden sehen kann, die Masse schließt sich aber wieder, ist sie genau richtig.
Gleich über den Kuchen gießen, die Streusel darauf verteilen und in den Kühlschrank stellen. Wenn die Glasur fast ausgekühlt ist, den Ring abnehmen und wieder in den Kühlschrank stellen. Die Glasur sollte nun noch ein bisschen am Rand runterlaufen.

Freitag, 7. Dezember 2012

Schnelles Essen ^^

Heute nur ein kleines Bild mit Beschreibung ^^
Reis, in Olivenöl mit Zwiebeln und Knoblauch angedünstet, mit heißem Wasser aufgegossen und kochen lassen. 
Putenbruststreifen in einem Stückchen zerlassener Butter mit Knoblauch angebraten. Dazu als Sößchen einen halben Becher Saure Sahne mit einem Schluck Zitronensaft, gewürzt mit Salz, Pfeffer und Piment d'Espelette.
Als Getränk gabs eine Dose Antarktika Guaraná aus Brasilien, hmmmmm =)

Mittwoch, 5. Dezember 2012

Bei mir gibt's keine Plätzchen-Rezepte...

...denn wir essen selbst gar keine.
Beziehungsweiße kaum und dabei stell ich immer wieder fest, dass es einfach nicht mein Ding ist.
Aber:
Was ich jeden Winter mal machen muss und was zufällig und komischweiße immer im Dezember der Fall ist, sind:
1. Schoko Crossies, gestern gemacht.
2. Hüsinger (Kuchen), der kommt am Wochenende dran. 
3. Brigadeiros, gestern angefangen und heute fertig gemacht.

Wegen der Brigadeiros schreib ich auch diesen Post.
Ich hab letztes Jahr zwar schon das Rezept gepostet, aber dieses Jahr liefen mir zufällig die "richtigen" Schokoladenstreusel über den Weg und nun sehen sie so aus, wie ich sie aus Brasilien kenne.
Deswegen muss ich das hier nochmal mit Bild erwähnen. =)
Natürlich gibt es keine falschen oder richtigen Schokostreusel =D Hauptsache es schmeckt!

Samstag, 13. Oktober 2012

Lembranças do Brasil - Suco de Marajucá


Maracujasaft

3 kleine lila reife Maracuja's
mehr oder weniger die gleiche Menge Wasser wie Fruchtfleisch
Zucker (oder Agavendicksaft)
evtl. Eiswürfel

Die Maracuja's halbieren, mit einem Löffel das Innere rauskratzen und in einen Mixer geben und mit etwas mehr als der selben Menge Wasser auffüllen. 
Falls es Sommer ist und man einen kalten Saft will, ein paar Eiswürfel mit pürieren. Zucker (oder Agavendicksaft oder was man eben so mag;) ) zugeben und alles gut pürieren. Durch ein feines Sieb geben und Urlaubsflair genießen! =)


In Brasilien hatten wir direkt vor der Haustüre Maracuja's und viele andere exotische Früchte wachsen. Allerdings waren das die größeren gleben Maracuja's, die ich viel lieber mag. Aber als ich Freitag im Laden um die Ecke die zur Abwechslung wirklich mal guten lila Maracuja's entdeckte, konnte ich icht wiederstehen und es hat sich wirklich gelohnt! =)
Ein Arbeitskollege damals in Brasilien war immer wieder die tollsten Säfte am machen, herrlich! Die Kombination aus Limette und Carambola (Sternfrucht) war genial, hab ich aber nie selbst so hinbekommen, was wahrscheinlich daran liegt, dass wir hier einfach keine gescheiten Früchte bekommen. =) 

Mittwoch, 19. September 2012

Bolo de chocolate

Vor einigen Jahren hab ich einige Monate ein Praktikum in einer Kindertagesstätte in Brasilien gemacht. 
Schon nach sehr kurzer Zeit kam ich das erste Mal in den Genuss eines Schokoladenkuchens. Er bestand aus Schokoteig, gebacken und in mehrere Scheiben geschnitten. Dazwischen kam eine Art Schokopudding, komplett selbst gemacht natürlich. Nach dem Zusammensetzten bekam der Kuchen dann einen dicken Schokoladenguss, der übrigens nicht fest, sondern nur etwas dickflüssiger wurde und dann kamen natürlich noch Schokostreusel drauf. Alles in allem... super klebrige Sache, sieht aber wahnsinnig lecker aus! Anfangs wunderte ich mich warum der Kuchen in so kleine Stücke geschnitten wurde, denn eigentlich war mehr als genug da.
Einer steht noch im Kühlschrank
Lange wunderte ich mich nicht, denn nach einem Stückchen war mir fast schon übel! Aber er war sooooooo lecker! Wahnsinn! Die Brasilianer hauen da dermaßen viel Zucker und Schokolade rein, wahnsinn! Das erträgt kein Europäer =D Die Kinder aßen übrigens mindestens 2 Stücke davon.
Ich sollte eigentlich noch irgendwo ein Bild davon haben.... Ich such mal schnell ;)
Ahhhh, ich hab was gefunden, nicht besonders gut, aber man kann den Kuchen sehen =D :
Ein kleines Stück für jeden und Nachschub soviel man will


Ich kam in dem halben Jahr recht oft in den Genuss diverser verschiedener Schokoladenkuchen. Natürlich immer ein bisschen anders, aber immer lecker.
Am liebsten mochte ich die Version ohne Füllung. Einfach Teig und Guss drauf.

In der Kindertagesstätte wurde ein Kochkurs angeboten und die Kollegin die den Kurs machte, hatte ein kleines Heftchen mit Rezepten für alle teilnehmenden Kinder zusammengestellt. Das hab ich mir mal ausgeliehen und die meisten Rezepte abgeschrieben. Unter anderem war auch ein "einfacher" Schokoladenkuchen drin. Genau so wie ich ihn am liebsten mochte.
Den hab ich inzwischen schon oft gebacken, experimentiere aber noch immer mit dem Backpulver. Das brasilianische Backpulver ist ein anderes Salz als unseres (ich kann mich leider nicht mehr erinnern welchen) und eine deutsche Kollegin gab mir den Umrechenfaktor. Das Backpulver wurde auf jeden Fall Esslöffelweiße dosiert. Das weiß ich noch. 
Den Kuchen hab ich nun schon oft mit einem ganzen Beutel Backpulver gebacken. Mir ging er aber zu sehr auf in der Mitte, so dass die schöne Soße an den Seiten zu sehr herunterläuft. Nun hab ich ihn mit nur 2 Teelöffeln gebacken. Er ging in der Mitte nicht so stark auf, war aber innen etwas zu unluftig, wie ich find. Da muss ich wohl noch etwas weiter rum probieren und vielleicht eher mal rausfinden, welches Salz genau verwendet wird. Lecker schmeckt er aber egal ob arg aufgegangen oder unluftig ;) 



Bolo de chocolate




4 Eier
3 Tassen Schokotrinkpulver
2 Tassen Zucker
2 EL Margarine
1 Tasse Öl (Soja)
2 Tassen warme Milch

4 Tassen Mehl
2TL Backpulver
2 Dosen gesüsste Kondensmilch
1 ½ Tassen Schokotrinkpulver


Erst die Eier schlagen, dann nach und nach das Schokopulver, den Zucker, die Margarine, das Öl, die leicht erwärmte Milch, das Mehl und das Backpulver zugeben. Alles zu einem schönen, glatten Teig rühren. Den Teig in eine gefettete Backform (ca. 35x25x6cm) geben und bei 180 °C backen bis er durch ist. (Ca. 45 Minuten)
Für die Glasur die Dose Milchmädchen (zur Not die Tuben kaufen, ich find die Dosen hier nur in einem einzigen Laden) mit dem Schokopulver (am Besten sieben) gut und klümpchenfrei mischen und nach und nach über den Kuchen geben. Nicht wundern, die Glasur ist recht flüssig und wir auch nicht hart. Wenn es arg in Richtung Rand läuft, einfach immer wieder mit einem Löffel hoch streichen. Dadurch weicht die Glasur ein wenig die oberste Schicht auf und macht den Kuchen noch süßer und klebriger.



Dieses Mal hab ich den Kuchen einer Freundin zu deren Geburtstagsparty mitgebracht. Schon öfter durften ihn auch meine Arbeitskollegen probieren. Sie lieben ihn und eigentlich alle, die mal in den Genuss kamen. Aber ganz kleine Stücke sind völlig ausreichend. =)